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Thurgauer Zeitung vom Mittwoch, 21. Juli 2004, Ressort Kultur
Neue Bilder im Kopf
Der Fotograf Jon Etter hat das erste Thurgauer Kulturstipendium gewonnen. Dieser Tage ist er nach Berlin abgereist.
[Dieter Langhart]
«Geboren 1972 in Winterthur, lebt und arbeitet in Zürich und München.» Ohne Schmuck der erste Satz unter dem Stichwort «Biografie». Jon Etters Homepage ist karg, ebenso karg wie manche seiner Bilder. Einige hat er ins Internet gestellt, damit man sich ein Bild machen kann von seinen Bildern. Karg ist auch das, was Jon Etter sagt - seine Bilder sollen sprechen, für sich und also auch für den Künstler.
Berlin hat er den Wohnorten nicht beigefügt. Die Stadt ist für die nächsten acht Monate sein Domizil. «Ich habe noch keine konkreten Pläne», sagt er lächelnd, «ich will erst schauen, wo Motive für mich sind.» 32 ist Jon Etter, sechs Jahre hat er in München gelebt und Fotografie studiert. «Ich wäre gern nach Berlin», gibt er zu. Er hatte sich in Zürich, München und Berlin beworben, München nahm ihn auf. Erst gefiel es Etter da nicht, auch das Studium war sehr technisch, systematisch. «Dann kippte es, und ich
blieb sechs Jahre in München.» «Räume, aus denen das Leben grade entwichen ist. Räume, die dadurch lebendig bleiben.» Dieses Zitat Georg Diez über Anna Viebrock hat Jon Etter neben eine Bilderserie gestellt: Bilder wie Stillleben, entstanden vor fünf Jahren in einer Fabrik in Meissen, zu sehen vergangenes Jahr bei Schönenberger in Kirchberg.
Räume und Licht und Technik Räume interessieren den Fotografen Jon Etter, urbane und nächtliche Räume vor allem, Orte, an denen vor kurzem etwas - oder jemand - war. «Ich bin an Settings interessiert. Vielleicht auch an Menschen.» Ganz klar ist er am Medium Film interessiert. Er mag die Bildersprache eines David Lynch, das Licht und das Triste bei einem Angelopoulos. Qualität ist ein ambivalentes Thema für Etter. Er braucht die Schärfe der Fachkamera ebenso wie das Korn einer digitalen Hosentaschenkamera. Perfekte Nachtaufnahmen seien langweilig, «aber fotografische Qualität könnte mir wieder wichtig werden bei Menschen». «Ich verspreche mir viel vom Aufenthalt, den mir das Kulturstipendium ermöglicht.» In den Osten ausschwärmen will Etter von
Berlin aus: an die Häfen der Nordsee oder in andere Fabriken als jene in Meissen, in der vor der Wende 500 arbeiteten, seither noch fünf oder sechs. Wir werden sehen. Nicht nur an den Ausstellungen in Berlin und der Kartause Ittingen, auch mit einem fotografischen Tagebuch in der Thurgauer Zeitung.
www.jonetter.net,
www.thinktankthurgau.ch
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